Alemania:Nord-Frauen im Teamcheck

Oldenburg (DFBL/saw) —Eine Woche nach den Männern starten auch die Frauen in die Feld-Bundesliga. Fast schon traditionell wagt Sandra Wortmann vom Ahlhorner SV einen Blick auf die Spielzeit - und auch viele personelle Neuerungen in den Teams.


Selsingen gehört zu den Liga-Favoriten im Norden. (Foto: DFBL/Schönwandt)
Foto gentileza federación alemana
Auch die Nordliga der Frauen startet am kommenden Wochenende in die neue Saison. Einige Veränderungen im Kader der alteingesessenen Top-Teams lassen kaum Prognosen über den Verlauf zu. Umso interessanter dürfte es werden, wenn es um die Frage nach der DM-Quali und dem Klassenerhalt geht. Vermeintlichen Favoriten droht der Fall, während der ein oder andere Neuling großes Potenzial verspricht.

Als Sieger des diesjährigen traditionellen TKH-Turniers geht der TSV Schülp mit viel Schwung und Selbstvertrauen in die neue Saison. Als letztjähriger Vierter muss man sich auch diesmal keineswegs verstecken. Viel Arbeit hat das Team um Trainer Rouven Schönwandt in den letzten Jahren investiert, sodass es mehr als an der Zeit ist, die Früchte zu ernten. Mannschaftsführerin Nadine Kowalczyk will sich auf den frühen Erfolg zum Saisonstart jedoch keinesfalls ausruhen: "Ich bin mit der Leistung sehr zufrieden. Wir stehen am Anfang der Saison und haben schon jetzt super Spiele zeigen können. Jetzt heißt es, weiter an den Baustellen arbeiten." Ein Platz im Mittelfeld sollte dem Team in jedem Fall garantiert sein, wenn man nicht sogar den Favoriten ein Bein stellen wird.

Nachdem der VfK Berlin in der Hallensaison Zweitligaluft schnuppern musste, will man in dieser Saison alles daran setzen, den Klassenerhalt in trockene Tücher zu bringen. Neuzugang Anja Reimer (zuletzt SG Stern Kaulsdorf) will in der Defensive für die nötige Sicherheit sorgen, während man im Zuspiel auf die erfahrene Franziska Lee verzichten muss (Schwangerschaft). Demnach hängt der Erfolg der Berlinerinnen maßgeblich vom Angriffsduo Schubert/Birkenbach ab. Weitere Unterstützung erhält man von Birgitt Hoppe, die wiederum aus der Babypause zurückkehrt. Sollte sich am Ende die Erfahrung durchsetzen, so ist der Klassenerhalt für die Berlinerinnen ein mehr als realistisches Ziel.

Zum Kreis der Favoriten zählt unumstritten der MTSV Selsingen, der in den letzten drei Hallensaisons jeweils mit einer Bronzemedaille von einer Deutschen Meisterschaft zurückkehrte. Erstmals konnte auch im vergangenen Jahr die Feld-Quali erreicht werden, dort verpasste man die Bronzemedaille knapp. Ob Rieke Buck nach ihrer langen Schulterverletzung ihr Team aktiv unterstützen wird, scheint noch unsicher. Jedoch wird Weltmeisterin Annika Bösch, ob als Defensiv- oder Offensivspielerin, gemeinsam mit Hauptangreiferin Laura Marofke die Zügel in die Hand nehmen, um auch in dieser Saison den Fan-Bus aus Selsingen abfahren zu lassen.

Trotz aller personellen Veränderungen dürfte alles andere als das Erreichen der Endrunde eine Enttäuschung für den TV Jahn Schneverdingen sein. Den Wechsel von Aniko Müller (SG Stern Kaulsdorf) hatte man sich allerdings etwas anders vorgestellt, denn noch vorm Startschuss verletzte sich die angriffsstarke A-Kader-Spielerin bei einer Lehrgangsmaßnahme an der Hand. Ob sie im Laufe der Saison ins Spielgeschehen eingreifen wird, ist fraglich, aber nicht unwahrscheinlich. Ebenso steht ein Fragezeichen hinter Weltmeisterin Cindy Ristel, die sich zunächst auf die Geburt ihres Sohnes freut, ehe vom Eingriff ins Spielgeschehen die Rede sein wird. Mit Kristin Eggert kann Trainerin Christine Seitz dennoch auf eine weitere Spielerin im Angriff zurückgreifen, die Allrounderin Theresa Schröder zur Seite steht. Nicht mehr im Kader ist Sabrina Eggert, die aus beruflichen Gründen aussetzen wird. Neben dem Ziel, das Ticket für Hirschfelde zu lösen, steht der Mannschaft mit dem Europacup in Dennach bereits im Juli ein Saisonhighlight bevor. Die noch in Hallensaison aufgetretenen Stolpersteine wird der Vizemeister vom Feld, aller Voraussicht nach, ohne große Schwierigkeiten aus dem Weg räumen.

Der SV Moslesfehn hat einen Neuzugang (Michelle Werth vom TV GH Brettorf) zu verzeichnen und startet ansonsten unverändert in die Saison. Wie schnell Kathrin von der Pütten zurück ins Team kehrt, bleibt abzuwarten. Auch sie fiel zuletzt aufgrund ihrer Schwangerschaft aus. Spannend bleibt die Frage, wie die Mannschaft insgesamt aufgestellt und vom Seitenrand aus angeleitet wird. Erstmals muss man auf die Erfahrung von Ex-Trainer Frank Kannegießer verzichten. Insgesamt hat sich die Mannschaft bereits in der letzten Saison weiter verjüngt, sodass mit neuem Schwung eventuell sogar mit einem der vorderen Plätze geliebäugelt werden kann.

Nach zwei erfolgreichen Spielzeiten in der Halle ist der VfL Kellinghusen nun auch im Feld erstklassig. Dennoch ist nicht damit zu rechnen, dass die Mannschaft von großen Abstiegssorgen geplagt wird. Mit gleich drei Jugendweltmeisterinnen sprüht das Team nur so vor jungem Ehrgeiz. Bereits beim Vorbereitungsturnier in Hannover konnte man einige Ligakonkurrenten hinter sich lassen. Auch wenn die noch verletzte Angreiferin Anika Bruhn nicht gleich zu Saisonbeginn auf dem Feld stehen wird, haben die Holsteinerinnen mit Jacqueline Böhmker eine schlagkräftige Offensivspielerin, die das Team zum sicheren Klassenerhalt führen wird. Gelingt es, die nötige Konstanz und Ausdauer an den Tag zu legen, ist sicherlich auch eine Platzierung in der oberen Tabellenhälfte realistisch.

Der große Unbekannte ist der TSV Essel, der sich erstmals im Oberhaus präsentiert. Nach großen Erfolgen im Jugendbereich gelang der Mannschaft vom Trainerduo Marco Bartsch und Roland Kortzack in der vergangenen Feldsaison der größte Erfolg als man als Staffelsieger den Aufstieg perfekt machte. Mit Seike Dieckmann hat der TSV außerdem eine Abwehrspielerin in den Reihen, die zum aktuellen A-Kader zählt. Das Saisonziel ist mit dem Klassenerhalt klar definiert, doch befindet man sich als Aufsteiger klar in der Außenseiterposition.

Dass man als Aufsteiger aber nicht zwingend wieder den Rückzug in die zweite Liga antreten muss, bewies der MTV Hammah im vergangenen Jahr. Mit einem zehnköpfigen Kader gilt es auch in diesem Jahr, die Klasse zu halten. Die Mannschaft selbst möchte, nachdem man nun schon Bundesligaerfahrungen gesammelt hat, in dieser Saison alles dafür geben, „ein bisschen weiter oben mitzuspielen“. Profitieren wird man dabei vor allem vom erfahrenen Trainer und Ex-Nationalspieler Wilm Engelke, der das junge Team optimal auf die Gegner einstellen wird. Außerdem wird das Team angeführt von Angreiferin Jana Rapp, die als Jugendnationalspielerin bereits internationale Erfahrungen sammeln durfte.

Zum Außenseiter könnte sich der Ahlhorner SV entwickeln, der mit großen personellen Sorgen an den Start geht. So ist der Einsatz von gleich drei Stammspielerinnen fraglich, die noch in der Hallensaison maßgeblich am Sieg der Deutschen Meisterschaft beteiligt waren. Während Janna Köhrmann aus erfreulichen Gründen (Schwangerschaft) voraussichtlich nur den Posten an der Seitenlinie einnehmen wird, sind beide Angreiferinnen von Verletzungssorgen geplagt. Celina Minx kämpft mit Schulterproblemen und konnte die Vorbereitung bisher nicht bestreite. Imke Schröder verletzte sich beim Turnier in Hannover am Fuß (Bänderriss). Wie schnell und ob beide Spielerinnen einsatzfähig oder zur alten Spielstärke finden werden, ist derzeit ungewiss. So ist dem Sieg der Stuttgart Open nach aktuellem Stand jedenfalls nicht viel Bedeutung beizumessen. Zum Europacup nach Dennach fährt man als Bronzesieger von 2014 in jeden Fall als Außenseiter. Eine harte Saison steht dem Team von der Lethe bevor, sodass von einer DM-Quali derzeit nicht die Rede sein kann.

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